Frankfurter Rundschau, 28 June 2025
Herr De Schutter, am 25. Juni präsentierten Sie einen neuen Bericht vor den UN in Genf. Was ist die zentrale Botschaft? Welche Entwicklungen behindern derzeit Fortschritte im Kampf gegen Armut?
Am alarmierendsten – in der Tat schockierend – ist der Rückzug der USA aus der Entwicklungszusammenarbeit. Präsident Donald Trump hat am ersten Tag seiner Amtszeit, dem 20. Januar, verkündet, die Arbeit von USAID einzustellen. Unabhängige Forschende gehen davon aus, dass dies 25 Millionen Menschenleben kosten wird. Es wird geschätzt, dass heutzutage stündlich etwa 100 Menschen infolge der eingestellten US-Hilfe sterben – etwa weil sie keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder zu Nahrung haben. 2023 war ich beispielsweise in Bangladesch und habe das Flüchtlingslager der Rohingya besucht. Diese Menschen sind vollständig auf internationale Unterstützung angewiesen – vor allem die von USAID. Jetzt werden sie im Stich gelassen.